Antonius
Maria Johannes van Uden      * 17.11.1912

Am 22. 05. 1937 wurde er zum Priester geweiht und ein Jahr später an das „Instituut voor Doven“ in Sint Michielsgestel versetzt. Dort war er bis 1977 tätig.

    


In der Hörgeschädigtenpädagogik gehört Pater Dr. Antonius M. J. van Uden zu den Vertretern der oralen Methode.

Antonius van Uden ist davon überzeugt, dass das gehörlose Kind über die Lautsprache, insbesondere über die präsentierende Sprache der Mutter, lernt. Hierbei gibt die Mutter die Äußerungen des Kindes in sprachlich richtiger Form wieder (Doppelrolle). Es wird dabei vorausgesetzt, dass die Mutter melodisch und klar artikuliert spricht, um dem Kind die Chance zum Absehen zu geben. Er nennt diese Methode die „Muttersprachlich Reflektierende Methode“ (M. R. M.).

Das Lallen des gehörlosen Kindes soll vorerst aufgegriffen und gefördert werden (Fangmethode). Dabei soll das Kind merken, dass es durch seine Äußerungen, auch wenn es selber sie nicht hört, etwas bewirken kann. Durch diese Konditionierung wird, nach van Uden, das Kind bald schallgerichtet sein. Dies kann mit oder ohne Zuhilfenahme von Hörhilfen (HG; CI) geschehen.

Diese Methode ist die moderne Ableitung der oralen Methode.

Das Ziel sowohl der „Muttersprachlich Reflektierende Methode“ als auch der traditionellen oralen Methode ist der Erwerb einer Lautsprachkompetenz, um im Alltag kommunizieren zu können, wobei der Sprachaufbau interaktional erfolgen soll. Dieser Spracherwerb führe zu einer vollständigeren Integration in die „hörende“ Welt.

Van Uden hat nach eben dieser Methode am Instituut voor Doven in St. Michielsgestel gearbeitet. Wobei im Schulunterricht unterstützende Systeme wie Lautbegleitende Gebärden (LBG) und Phonembestimmtes Manual System (PMS) hinzugezogen wurden.

Allerdings ist van Uden der Meinung, dass die Gebärdensprache und die Lautsprache unvereinbar miteinander seien. Die Sprechweise soll immer antlitzgerichtet erfolgen.

Pater Dr. Antonius Maria Johannes van Uden gilt weltweit als der bedeutendste europäische Gehörlosenpädagoge der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.         

Van Uden hat zahlreiche Arbeiten in niederländischer, englischer und auch in deutscher Sprache veröffentlicht.
 


Buchveröffentlichungen in deutscher Sprache

·    Eine Welt der Sprache für gehörlose Kinder. Muttersprachlich reflektierte Lautsprachmethode und psycholinguistische Erkenntnisse für die Gehörlosenbildung. Villingen 1976.
Das gehörlose Kind. Fragen seiner Entwicklung und Förderung. Heidelberg 1 / 1980, 2 / 1983.
Gebärdensprachen von Gehörlosen und Psycholinguistik. Eine kritische Auseinandersetzung. Heidelberg 1987.
Teilleistungsstörungen beim gehörlosen Kinde. Diagnose und Therapie. Heidelberg 1988.

 


Literatur über van Uden


·         HörPäd 5 / 1997, S. 338
·
         HörPäd 5 / 1982, S. 264 – 275
·         HörPäd 5 / 1992, S. 313 – 317
·         HörPäd 3 / 1999